20.04.2018

Verliebtsein und Liebe

Ich bin kein professioneller Soziologe, Verhaltensforscher oder Biologe. Aber ich beobachte und ziehe daraus meine Schlüsse. Daher teile ich Liebe in die Zeit des Verliebtseins und die Zeit danach ein, in der Kompromissbereitschaft, Gewohnheit und Vertrauen große Rollen spielen.

Wenn man einen scheinbar passenden Partner kennenlernt, dann laufen eine vielzahl nicht immer kontrollierbarer Prozesse im menschlichen Körper ab, die alle das Ziel der Erhaltung der Art und somit zunächst der Fortpflanzung und später der Bildung einer gesunden, starken Familie haben. Auswüchse der Liebe wie Romantik, Jungfräulichkeit bis zur Ehe und andere Dinge hat die Natur nicht vorgesehen, sie sind ein Produkt unseres Verstandes (siehe dazu auch den Artikel über die Grundlagen menschlichen Verhaltens). Um es gleich zu sagen: Romantik ist toll, ich genieße und praktiziere sie gerne. Aber sie ist nicht Teil eines Erklärungsmodells menschlichen Verhaltens ;-) Die Frage nach dem "Warum macht ein Mensch dieses oder jenes?" wird niemand ernsthaft mit "Weil er eben so romantisch ist" beantworten.

Die verschiedenen Abläufe des Verliebtseins im menschlichen Körper zeigen den potentiellen Sexualpartnern, ob der jeweils andere Partner auch gesund ist und somit gesunde Kinder machen kann - in der Urzeit zwingend nötig für die Erhaltung der Art. Nur die besten und stärksten überlebten damals. Ich möchte exemplarisch einige Elemente des Verliebtseins samt Hintergrund nennen:

  • Frauen: Rote Wangen (Schlüsselsymbol für Männer: Bin gesund)
  • Frauen: Große Pupillen (Schlüsselsymbol: Bin verletzbar, sehe Dich gerne an)
  • Frauen+Männer: Bauchkribbeln (DER/DIE ist der/die richtige)
  • Frauen+Männer: Riechen des Duftes des anderen (Kontrolle des Immunsystems)
  • Frauen+Männer: Schnelle Atmung, schneller Puls (Kräfte sammeln für körperliche Aktivität)
  • Frauen+Männer: Herunterfahren des logischen Verstandes und Ausschüttung von Drogen (...)
  • Männer: Plötzliche Stärkung der verbalen Fähigkeiten, Zwang des Beeindrucken-Müssens (...)
  • Frauen+Männer: Steigerung des Jagdtriebes
  • Frauen+Männer: Extreme Steigerung der Kompromissfähigkeit (nötig für Zusammenleben nach dem Verliebtsein)

Gerade von unerfahrenen Teenagern wird das Verliebtsein oft mit DER großen Liebe verwechselt, wie sie oft in Büchern steht. Dabei hält das Verliebtsein im Schnitt nach meiner Beobachtung nur 6 Monate an - wenn man direkt zusammenzieht ist die Dauer deutlich kürzer, bei Fernbeziehungen kann es Jahre anhalten bis man wieder runter kommt und merkt, daß das der falsche Partner ist.

Die Natur hat das Verliebtsein erschaffen, damit sich auch die Menschen vermehren, die nicht zu 100% zusammenpassen, und damit es überhaupt einen Anreiz gibt sich zu vermehren und zu binden, um gemeinsam die schutzbedürftigen Kinder groß werden zu lassen.

Die Natur hat dabei keinen Mechanismus eingebaut, der das Verliebtsein verhindert wenn man mal gebunden ist. Das würde auch nicht funktionieren, denn Bindung ist nach wie vor eine Sache des Verstandes, und ein Instinkt ist nie vom Verstand abhängig, das gilt nur umgekehrt ;-)

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